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Amsterdamer Gegengipfel

Eine internationalistische, europäische, aber EU-feindliche Linke ist ins politische Leben des alten Kontinents eingedrungen. Die vielfältigen Aktivitäten des Gegengipfels haben eine unverrückbare Tatsache geschaffen.

Vor allem die Demonstration am 14. Juni, die vier Stunden dauerte, war ein Erfolg über alle Erwartungen. Ungefähr 35.000 bis 50.000 Personen (nach Anhaben der holländischen Polizei) kamen zusammen, alle EU- Nationalitäten waren vertreten und darüber hinaus Delegationen aus der Türkei, aus ex-Jugoslawien, Korea, Ägypten, Brasilien, USA, ... Unter dem Sog der 18 Märsche, die Europa durchkreuzten (ausgehend von Tanger, Sarajevo, Frankfurt/Oder, Finnland, Schottland und Irland) wurde die Demonstration zu einem Ereignis, das sich mit dem EU-Gipfel in der Bedeutung messen konnte. Die internationalen Medien lagen nicht falsch, dieses soziale Europa dem der diplomatischen Verhandlungen über eine Währungsunion gegenüberzustellen.

Dieser Durchbruch in der Politik und den Medien überschreitet bei weitem die Breite der in den einzelnen Ländern zur Durchführung der Märsche gegründeten Bündnisse: Treibende Kraft der Märsche war sicher die radikale (gewerkschaftliche, soziale und politische) Linke, in einigen Ländern auch zusammen mit einer interessierten, aber überwiegend passiven reformistischen Linken, deren Unterstützung selten die moralische oder praktische Ebene überschritten hat.

Weniger sichtbar, aber ebenso wichtig waren zwei weitere Initiativen. Der Appell der 300 Ökonomen (von denen einige Teil des akademischen und institutionellen Establishments sind) der 15 EU-Länder hat ebenfalls großes internationales Echo bekommen. Er stellt die Einheitswährung, so wie sie geplant ist, in Frage. Seine Schockwelle hat, ausgehend von Holland, das ideologische Monopol zerbrochen, das die Architekten des Euro fünf Jahre lang aufrechterhalten konnten.

Weniger spektakulär, aber sicher auch vielversprechend war der Gegengipfel vom 12. Bis 17. Juni, eine Vielfalt von Debatten, Versammlungen, Arbeitsgruppen etc. In 5 Tagen haben nahezu 2500 Personen alle Fragen diskutiert, die unsere Gesellschaften bewegen: Beschäftigung, Ökologie, Ausgrenzung, Wohnungen, Militarismus, Dritte Welt usw. Der beeindruckendste Aspekt dieses Gipfels von unten (Eurotop van Onderop, wie ihn das Organisationskomitee genannt hatte) war nicht so sehr die (nun erreichte) Pluralität der Meinungen und Herangehensweisen, sondern die Gemeinsamkeiten, von denen ausgehend diese Debatten geführt werden konnten. Klares Zeichen, daß eine Etappe der Europäisierung der sozialen und politischen Bewegung dabei ist, überschritten zu werden.

Zweifellos werden die in Amsterdam versammelten Kräfte den Referenzpunkt und das Sprungbrett für künftige Mobilisierungen bilden müssen, welche die EU sicher auslösen wird.

François Vercammen

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Last Modified: Saturday, August 23, 1997 at 01:36 PM