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European Marches against Unemployment - News and Archives


 

Empfaenger : /a/europäischer arbeitslosenmarsch
Absender   : rbh@inode.at  (Anarchistische Buchhandlung)
Weiterleiter rbh@mail.inode.at
Betreff    : EU-Gipfel in Luxemburg
Datum      : Fr 21.11.97, 17:51  (erhalten: 21.11.97)
Groesse    : 6486 Bytes
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EU-Konferenz in Luxenburg:
Das ist der Gipfel
Am 20./21. November findet in Luxemburg der EU-Beschaeftigungsgipfel 
statt, der in Amsterdam im letzten Juni beschlossen worden ist. 
Offiziell ist er auf Grund von Forderungen der im Mai neugewaehlten 
franzoesischen Regierung zustande gekommen. Tatsaechlich ist er eine 
Reaktion auf die Streiks und Demonstrationen im Frühjahr 1997 (die internationale Mobilisierung aufgrund der Schliessung des 
Renaultwerkes in Vilvoorde, aber auch die Mobilisierungen durch den 
Europaeischen Gewerkschaftsbund/EGB und den Euromarsch). Diskutiert 
wird dabei über die »erschreckend grosse Zahl der Arbeitslosen«. Durch die Fixierung auf Arbeitslosigkeit zeichnet sich auch schon ab, was dabei diskutiert werden wird.
Die einen (die »Neoliberalen«) werden zusaetzliche Flexibilisierung und Deregulierung fordern: eine »erfolgreiche Beschaeftigungspolitik« bedeutet  dass immer mehr Menschen  auch in sonstige »prekaere Arbeitsverhaeltnisse« (Aushilfsarbeiten, Heimarbeit, befristete Jobs, Werkvertraege, neue 
»Selbststaendigkeit«, geringfügige Beschaeftigung, Schwarzarbeit) gedraengt werden. Ein Beispiel dafür ist die Durchsetzung der neuen Ladenoeffnungszeiten, die hauptsaechlich eine 
Zunahme der geringfügigen Beschaeftigungsverhaeltnisse mit sich brachte. So wird ein »amerikanisches Jobwunder« produziert, die Arbeitenden werden aermer, die aus der Lohnarbeit ausgegrenzten 
bekommen noch weniger Mittel und werden unsichtbar gemacht: sichtbare 
Armut wird nicht nur aus den offiziellen Arbeitslosenstatistiken 
verdraengt, sondern auch in den Staedten von oeffentlichen Plaetzen 
vertrieben.
Die anderen (die auf die Globalisierung schimpfen) stellen Modelle 
vor, die sich in Bezug auf Zwang zur Lohnarbeit nur das Gewicht 
anders setzen. So schlaegt die AK (ArbeiterInnenkammer) Modelle vor, 
die von der EU als die besten Modelle bewertet wurden: 
Arbeitsstiftungen, verstaerkte Vermittlung vor Ort, 
Jugendbeschaeftigungen in Umweltschutz und Nachbarschaftshilfe, die 
im Prinzip im Prinzip den Zwangscharakter noch mehr betonen. Waehrend 
sich die Neoliberalen mit dem oekonomischen Druck (der Druck zum 
Geldverdienen zum Überleben) zufrieden geben, wollen die verschiedenen Sozialdemokratien die Menschen in niedrigentlohnte 
Zwangsverhaeltnisse unter staatlicher Finanzierung zwingen.
Den Herrschenden geht es bei der Wiederherstellung der Beschaeftigung 
um billigere und flexiblere Arbeitskraefte und um mehr Gewinne und 
eine Intensivierung der Ausbeutung. Die UnternehmerInnen drohen 
damit, wegzulaufen, damit Europa ein attraktiver Ausbeutungsstandort 
bleibt. Kürzlich nahmen die SemperitarbeiterInnen eine »freiwillige« Lohnkürzung hin, obwohl der Standort erst voriges Jahr durch Massenentlassungen »saniert« wurde. Es geht also um eine weitere Umverteilung von unten nach oben.
Inzwischen entdecken Teile der Linken wieder Modelle, die schon vor 
Jahren gescheitert sind, und an der Realitaet des heutigen 
Kapitalismus vorbeigehen: sie diskutieren und fordern die 
35-Stunden-Woche. Wenn sie kritisiert werden, dass die Entwicklung 
der Produktivitaet fünf Stunden schon laengst eingeholt hat, steigern sie die Forderung vielleicht noch auf die 32 oder die 
30-Stunden-Woche. Sie übersehen (oder wollen übersehen), dass die begrenzte Verkürzung der Arbeitszeit an den Bedürfnissen der Arbeitenden vorbeigeht. Immer weniger arbeiten überhaupt die »Normalzeit«. Und wo bleiben die, die arbeiten müssen und kein Geld dafür bekommen, wie die sogenannten »Hausfrauen«, die das Leben ihrer Maenner organisieren und die Reproduktion der 
Arbeitskraft gewaehrleisten. Das traegt dazu bei, die bestehenden 
Machtverhaeltnisse zwischen Maennern und Frauen wie auch zwischen 
Vorgesetzten und Angestellten in den Betrieben aufrecht zu erhalten. 
Und wer garantiert, dass eine Arbeitszeitverkürzung für die wenigen, die noch Vollzeitjobs haben, keine Intensivierung der Arbeit 
bedeutet. Diese Gewerkschaften doch nicht! Die meisten Arbeitenden 
haben Angst vor einer Verschaerfung der Arbeitsbedingungen und sind 
deshalb skeptisch gegenüber dieser Forderung. Die Diskussion über die sogenannte »Arbeitslosigkeit« und die grossen Arbeitslosenzahlen geht an den entscheidenden Problemen vorbei. 
Erwerbslosigkeit ist nicht das Problem, sondern ein Mittel zur 
Durchsetzung schlechter Arbeitsbedingungen und niedriger Loehne.
Insofern greift der »Kampf gegen Arbeitslosigkeit« nicht die wirklichen Probleme an, die durch die Ausbeutung durch das 
kapitalistische System entstehen. Das Problem ist, dass der 
Kapitalismus nur existieren kann, weil er die Menschen ausbeutet.
Was kann somit eine Alternative sein? Auf jeden Fall kann es kein 
realistisches Konzept geben, das von den herrschenden 
EU-Institutionen ausgeht. Wir moechten unseren geringen Teil dazu 
beitragen, dass nicht nur über die Loesungen der Herrschenden diskutiert wird. Positive Elemente finden sich in manchen Strukturen, 
die sich in den Kaempfen und Widerstandsaktionen der Frauen, der 
MigrantInnen, der Arbeitenden, der Erwerbslosen, der Ausgegrenzten 
bilden. Nicht die linken Parteien und Gruppierungen, die wieder die 
Hegemonie suchen, sondern die GegnerInnenschaft der Menschen gegen 
die herrschenden Strukturen koennen die Keime einer konkreten Utopie 
sein.
Es kann nicht angehen, dass wir uns von der EU die Konzepte 
aufzwingen lassen, die auf dem Gipfel in Luxemburg besprochen werden, 
weder die neoliberale Variante, die brutalere Ausbeutung bedeutet, 
noch die sozialdemokratische Loesung eines Staates auf europaeischer 
Ebene. Die Entscheidungen der EU haben gravierendere Auswirkungen, 
weil sie einen riesigen Wirtschaftsraum betreffen. Aber auch die 
nationale Sozialstaatsvariante kann keine Alternative bieten, weil es 
die gleiche Ausbeutung auf regionaler oder nationaler Ebene. Wir 
meinen, dass Ungleichheit und Ausbeutung untrennbare Bestandteile 
dieser Gesellschaftsordnung sind und so lange fortbestehen werden und 
ein menschenwürdiges Leben nur in einer klassenlosen, herrschaftsfreien Gesellschaft moeglich ist.
Kundgebung gegen den EU-Gipfel:
Samstag, 22. November 1997; 14.00 Uhr Stock-im-Eisen-Platz, 1010 Wien
Antifaschistischer Arbeitskreis der HTU,
Ernst-Kirchweger-Haus (EKH), Infoladen 10, Revolutionsbraeuhof (RBH), 
Rosa Antifa Wien (RAW) TATBlatt, Zecken

Contact:
"Marches europeennes contre le chomage, la precarite et les exclusions"

104, rue des Couronnes
F-75020 Paris France
Tel : +33 1 44 62 63 44
Fax : +33 1 44 62 63 45
E-mail : marches97@ras.eu.org
URL: http://www.mygale.org/02/ras/marches/


Contact: "AC!", France, Voice/Fax: +33-1-43495037, e-mail: aguiton@sud.unions.eu.org.


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Last Modified: January 5, 1998