
Arbeitslosenselbsthilfe O l d e n b u r g
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European Marches against Unemployment - News and Archives
Empfaenger : /a/europäischer arbeitslosenmarsch Absender : thuan@writeme.com (ninel-thuan) Org.-Empf. : EuroMarsch-L@mail.comlink.apc.org Weiterleiter owner-euromarsch-l@mail.comlink.apc.org Betreff : AC! - Gemeinsam gegen Arbeitslosigkeit handeln Datum : Mi 11.02.98, 13:46 (erhalten: 11.02.98) Groesse : 8223 Bytes ----------------------------------------------------------------------
"Avanti die internationale" zur Arbeitslosenbewegung in Frankreich:
"AC! - Gemeinsam gegen Arbeitslosigkeit handeln"
"AC! (Agir ensemble contre le chômage)" ist eine Bewegung die von klassenkämpferischen Gewerkschaftern um die Zeitschrift "collectif" angeregt wurde, und zwar aufbauend auf einer einfachen Idee: Arbeitende und Arbeitslose zum gemeinsamen Kampf zu bewegen. Denn schließlich müssen wir in unsrer Gesellschaft die Erfahrung machen, daß jeder Arbeitende ein potentieller Arbeitsloser ist, und daß jeder Arbeitsloser zu einem Arbeitenden werden kann. Die Arbeitslosigkeit ist die zentrale politische und soziale Frage am Ende dieses Jahrhunderts. Allerdings war in der Vergangenheit die Mobilisierung der Arbeitslosen bei dem Kampf um die Schaffung von Arbeitsplätze immer ein Schwachpunkt in der Geschichte der Arbeiterbewegung gewesen. Sich in Parteien oder Gewerkschaften zu organisieren, laut und unüberhörbar die eigenen Forderungen vorzutragen, ist keine leichte Angelegenheit, wenn man sich nicht nur von der Arbeit sondern auch von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlt. Deshalb ist unsere vorrangige Forderung die nach einem menschenwürdigen Einkommen für alle, mit dem klaren Ziel, die Armut abzuschaffen. Die Zahl der Arbeitslosen ohne Arbeitslosengeld ist seit 1990 um 60% gestiegen; das RMI (entspricht der Sozialhilfe in der BRD, d. Übers.) muß immer mehr das Arbeitslosengeld ersetzen. 6 Millionen Menschen leben von Unterstützungszahlungen, die im Schnitt 2000 FF betragen (=600 Mark). Davon kann niemand in unserem Land ein menschenwürdiges Leben führen. Unzureichende Einkünfte bewirken eine Verschlechterung der Lebensverhältnisse in vielerlei Hinsicht; deshalb fordern wir das Recht, leerstehende Häuser für Obdachlose zu beschlagnahmen; wir fordern die kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch alle Arbeitslosen und ihre Familien. Wir fordern eine soziale Grundsicherung auch für die Unter-25-jährigen, die heute überhaupt keine Unterstützungszahlungen erhalten und wir fordern das strikte Verbot der Sperrung von Versorgungsleitungen (Wasser, Gas und Elektrizität). Parallel zu diesen Sofortforderungen verlangen wir eine totale Umkrempelung des Finanzsystems, damit die Reichtümer dieser Gesellschaft gleich verteilt werden. Außerdem fordern wir eine massive und sofort wirksame Verringerung der Arbeitszeit unter der Kontrolle der Arbeiterinnen und Arbeiter, um eine wirkliche Dynamik der Schaffung von Arbeitsplätzen zu ermöglichen und um die ungeschützten Beschäftigungsverhältnisse zurückzudrängen sowie ein Verbot aufgezwungener Teilzeitarbeit und eine Anhebung des Mindestlohns.
Die Forderungen von "AC!"
170 "AC!"-Kollektive haben sich gebildet, und zwar verteilt auf das ganze Land dank unsrer Aktionen "Faustschlag", die wir so oft wie es nur ging zusammen mit anderen Vereinigungen und Gewerkschaften durchgeführt haben (DAL = Recht auf Wohnen; Droits devant = Vorwärts mit den sozialen und Bürgerrechten; APEIS, SUD-Gewerkschaften, Arbeitslosenkomitees der CGT usw.). Die Verbindung der Arbeitslosen mit den Arbeitenden wird über Aktionen hergestellt: Beschlagnahmung von Arbeitsplätzen: GewerkschafterInnen und Beschäftigte in den Betrieben laden Arbeitslose in den Betrieb ein, um dort offen stehende Arbeitsplätze zu besetzen. Beschlagnahmungen von Waren in Supermärkten, um sie an Bedürftige zu verteilen. Beschlagnahmungen von leerstehenden Häusern. Besetzungen von Arbeitsämtern oder anderen öffentlichen Einrichtungen oder Ämtern, um eine ausreichende soziale Grundsicherung zu verlangen, um der Forderung nach einer besseren Behandlung der Arbeitslosen in den Ämtern Nachdruck zu verleihen und um die "Arbeitsplatzangebote" auf den Arbeitsämtern anzuprangern, bei denen noch nicht einmal die Tarifverträge eingehalten werden. Die Besetzung von Arbeitsämtern hat schon im Juli angefangen, als wir erfuhren, daß die finanzielle Unterstützung für die Ärmsten gestrichen wurde. Die Bewegung hat sich gegen Jahresende verstärkt, als wir beschlossen hatten, im Laufe des Winters jeden Tag Aktionen zu einem anderen Thema durchzuführen. Parallel zu unseren Aktionen hat auch die CGT mit Bestzungen von Arbeitsämtern begonnen, als die Zahlstellen der Arbeitsämter sich weigerten, den Arbeitslosen Weihnachtsgeld zu zahlen. Die Forderung nach einer solchen Zahlung am Jahresende war für die Arbeitslosenkomitees der CGT in den vergangenen Jahren zu einer Tradition geworden und hatte ihnen erlaubt, sich darüber aufzubauen . Medienwirksamkeit erlangten sie mit Hilfe einiger spektakulären Aktionen wie die Besetzung des Louvre (des größten Museums der Welt, kurz vor der Wiedereröffnung der ägyptischen Abteilung durch Staatspräsident Chirac, d. Übers.). Die Mehrheit der Bevölkerung unterstützt uns, weil wir für eine gerechte Sache kämpfen, aber auch weil die Arbeitslosigkeit allen Angst macht. Seit dem Beginn der 80er Jahre haben die aufeinanderfolgenden Regierungen nichts anderes gemacht als die Kapitalisten in ihrer immer brutaler werdenden Unternehmenspolitik zu unterstützen, die Arbeitslosigkeit in die Höhe zu treiben, die Zunahme von ungeschützten Beschäftigungsverhältnissen zu fördern und die Löhne zu senken. Sie haben das soziale Sicherungsnetz durchlöchert, die Finanzspekulation ermutigt, die sozialpolitischen Beziehungen dereguliert und die soziale Ungleichheit verstärkt und dies alles noch als unvermeidliche Folge der Marktwirtschaft dargestellt.
Die Unterstützung der Bewegung
Die Regierung hat die Bewegung der Arbeitslosen nicht ernst genommen, sondern auf die Schwierigkeit der Organisierung von Arbeitslosen spekuliert und darauf gesetzt, daß die Bewegung sich totläuft. Zudem hat die Regierung auf die antisoziale Demagogie zurückgegriffen, die in der "traditionellen" politischen Klasse heute so verbreitet ist und sie hat nicht gezögert, die Bereitschaftspolizei CRS loszuschicken, um die Arbeitslosen aus den besetzten Ämtern zu vertreiben. Diese Räumungen wirkten wie ein Schock in der öffentlichen Meinung und haben zur Verbreitung der Sympathie beigetragen. Heute unterstützen 70% der Bevölkerung diesen Kampf. Die Arbeitslosen haben mit einer verstärkten Wut reagiert, was die Mobilisierung erhöht hat. Hunderte, Tausende von Menschen schließen sich den verschiedenen Arbeitslosenverbänden an. Bei jeder Demonstration sind es mehr Menschen, die für die Sache der Arbeitslosen auf die Straße gehen. Die Unterstützung von Seiten der Studenten und der Arbeitenden ist zur Zeit noch schwach. Deshalb werden wir Aktionen entwickeln, die auf die Betriebe zielen, um zum einen dort die Arbeitsbedingungen, die Verschlechterung des Arbeitsrechts und das Abschöpfen riesiger Profite durch die Unternehmer anzuprangern. Zum anderen wollen wir die Gewerkschaften zwingen, mit uns zusammenzuarbeiten und mit den Arbeitenden über das Interesse an einem gemeinsamen Kampf zu diskutieren. Zusammen mit den Gewerkschaften werden wir in der Lage sein, in jedem Betrieb die Zahl der Arbeitsplätze zu beziffern, die es zu schaffen gilt, um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu haben. Die Entwicklung des Kampfes in den anderen Ländern Europas scheint uns in dieser Periode des kapitalistischen Europas von vorrangigem Interesse. Uns erscheint es als besonders dringlich, daß alle Erwerbslosen, Mittellosen und Ausgegrenzten eine Möglichkeit bekommen, den Kampf gegen die Ungleichheit aufzunehmen. Deshalb haben wir an den europäischen Märschen gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung und Ausgrenzung sowie an anderen Initiativen teilgenommen. Wir wollen mit aller Kraft zur Entwicklung eines internationalistischen Kampfes beitragen, der für uns die einzig mögliche Anwort auf den weltweiten Kapitalismus darstellt.
Ambroise und Laurent (AC! Montreuil, Vorort von Paris)
"Avanti die internationale" ist die Zeitung des Revolutionaer Sozialistischen Bundes / IV.Internationale (RSB) mehr Avanti gibt es auf der Homepage des RSB:
http://www.geocities.com/CapitolHill/Lobby/1204/
Contact:
"Marches europeennes contre le chomage, la precarite et les
exclusions"
104, rue des Couronnes
F-75020 Paris France
Tel : +33 1 44 62 63 44
Fax : +33 1 44 62 63 45
E-mail : marches97@ras.eu.org
URL: http://www.mygale.org/02/ras/marches/
Contact: "AC!", France, Voice/Fax: +33-1-43495037, e-mail:
aguiton@sud.unions.eu.org.
Last Modified: April 15, 1998