Arbeitslosenselbsthilfe O l d e n b u r g

Kaiserstr. 19

D-26122 Oldenburg (Oldenburg)

e-mail: also@also-zentrum.de





ALSO-Homepage


European Marches against Unemployment - News and Archives


 

Empfaenger : /a/europäischer arbeitslosenmarsch
Absender   : thuan@writeme.com  (ninel-thuan)
Org.-Empf. : EuroMarsch-L@mail.comlink.apc.org
Weiterleiter owner-euromarsch-l@mail.comlink.apc.org
Betreff    : AC! - Gemeinsam gegen Arbeitslosigkeit handeln
Datum      : Mi 11.02.98, 13:46  (erhalten: 11.02.98)
Groesse    : 8223 Bytes
----------------------------------------------------------------------
"Avanti die internationale" zur Arbeitslosenbewegung in Frankreich:
"AC! - Gemeinsam gegen Arbeitslosigkeit handeln"
"AC! (Agir ensemble contre le chômage)" ist eine Bewegung die von
klassenkämpferischen Gewerkschaftern um die Zeitschrift "collectif"
angeregt wurde, und zwar aufbauend auf einer einfachen Idee: Arbeitende
und Arbeitslose zum gemeinsamen Kampf zu bewegen. Denn schließlich
müssen wir in unsrer Gesellschaft die Erfahrung machen, daß jeder
Arbeitende ein potentieller Arbeitsloser ist, und daß jeder Arbeitsloser
zu einem Arbeitenden werden kann. Die Arbeitslosigkeit ist die zentrale
politische und soziale Frage am Ende dieses Jahrhunderts. Allerdings war
in der Vergangenheit die Mobilisierung der Arbeitslosen bei dem Kampf um
die Schaffung von Arbeitsplätze immer ein Schwachpunkt in der Geschichte
der Arbeiterbewegung gewesen. Sich in Parteien oder Gewerkschaften zu
organisieren, laut und unüberhörbar die eigenen Forderungen vorzutragen,
ist keine leichte Angelegenheit, wenn man sich nicht nur von der Arbeit
sondern auch von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlt. Deshalb ist
unsere vorrangige Forderung die nach einem menschenwürdigen Einkommen
für alle, mit dem klaren Ziel, die Armut abzuschaffen.
Die Zahl der Arbeitslosen ohne Arbeitslosengeld ist seit 1990 um 60%
gestiegen; das RMI (entspricht der Sozialhilfe in der BRD, d. Übers.)
muß immer mehr das Arbeitslosengeld ersetzen. 6 Millionen Menschen leben
von Unterstützungszahlungen, die im Schnitt 2000 FF betragen (=600
Mark). Davon kann niemand in unserem Land ein menschenwürdiges Leben
führen. Unzureichende Einkünfte bewirken eine Verschlechterung der
Lebensverhältnisse in vielerlei Hinsicht; deshalb fordern wir das Recht,
leerstehende Häuser für Obdachlose zu beschlagnahmen; wir fordern die
kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch alle Arbeitslosen
und ihre Familien. Wir fordern eine soziale Grundsicherung auch für die
Unter-25-jährigen, die heute überhaupt keine Unterstützungszahlungen
erhalten und wir fordern das strikte Verbot der Sperrung von
Versorgungsleitungen (Wasser, Gas und Elektrizität).
Parallel zu diesen Sofortforderungen verlangen wir eine totale
Umkrempelung des Finanzsystems, damit die Reichtümer dieser Gesellschaft
gleich verteilt werden. Außerdem fordern wir eine massive und sofort
wirksame Verringerung der Arbeitszeit unter der Kontrolle der
Arbeiterinnen und Arbeiter, um eine wirkliche Dynamik der Schaffung von
Arbeitsplätzen zu ermöglichen und um die ungeschützten
Beschäftigungsverhältnisse zurückzudrängen sowie ein Verbot
aufgezwungener Teilzeitarbeit und eine Anhebung des Mindestlohns.
Die Forderungen von "AC!"
170 "AC!"-Kollektive haben sich gebildet, und zwar verteilt auf das
ganze Land dank unsrer Aktionen "Faustschlag", die wir so oft wie es nur
ging zusammen mit anderen Vereinigungen und Gewerkschaften durchgeführt
haben (DAL = Recht auf Wohnen; Droits devant = Vorwärts mit den sozialen
und Bürgerrechten; APEIS, SUD-Gewerkschaften, Arbeitslosenkomitees der
CGT usw.). Die Verbindung der Arbeitslosen mit den Arbeitenden wird über
Aktionen hergestellt:
Beschlagnahmung von Arbeitsplätzen: GewerkschafterInnen und Beschäftigte
in den Betrieben laden Arbeitslose in den Betrieb ein, um dort offen
stehende Arbeitsplätze zu besetzen.
Beschlagnahmungen von Waren in Supermärkten, um sie an Bedürftige zu
verteilen.
Beschlagnahmungen von leerstehenden Häusern.
Besetzungen von Arbeitsämtern oder anderen öffentlichen Einrichtungen
oder Ämtern, um eine ausreichende soziale Grundsicherung zu verlangen,
um der Forderung nach einer besseren Behandlung der Arbeitslosen in den
Ämtern Nachdruck zu verleihen und um die "Arbeitsplatzangebote" auf den
Arbeitsämtern anzuprangern, bei denen noch nicht einmal die
Tarifverträge eingehalten werden.
Die Besetzung von Arbeitsämtern hat schon im Juli angefangen, als wir
erfuhren, daß die finanzielle Unterstützung für die Ärmsten gestrichen
wurde. Die Bewegung hat sich gegen Jahresende verstärkt, als wir
beschlossen hatten, im Laufe des Winters jeden Tag Aktionen zu einem
anderen Thema durchzuführen.
Parallel zu unseren Aktionen hat auch die CGT mit Bestzungen von
Arbeitsämtern begonnen, als die Zahlstellen der Arbeitsämter sich
weigerten, den Arbeitslosen Weihnachtsgeld zu zahlen. Die Forderung nach
einer solchen Zahlung am Jahresende war für die Arbeitslosenkomitees der
CGT in den vergangenen Jahren zu einer Tradition geworden und hatte
ihnen erlaubt, sich darüber aufzubauen . Medienwirksamkeit erlangten sie
mit Hilfe einiger spektakulären Aktionen wie die Besetzung des Louvre
(des größten Museums der Welt, kurz vor der Wiedereröffnung der
ägyptischen Abteilung durch Staatspräsident Chirac, d. Übers.). Die
Mehrheit der Bevölkerung unterstützt uns, weil wir für eine gerechte
Sache kämpfen, aber auch weil die Arbeitslosigkeit allen Angst macht.
Seit dem Beginn der 80er Jahre haben die aufeinanderfolgenden
Regierungen nichts anderes gemacht als die Kapitalisten in ihrer immer
brutaler werdenden Unternehmenspolitik zu unterstützen, die
Arbeitslosigkeit in die Höhe zu treiben, die Zunahme von ungeschützten
Beschäftigungsverhältnissen zu fördern und die Löhne zu senken. Sie
haben das soziale Sicherungsnetz durchlöchert, die Finanzspekulation
ermutigt, die sozialpolitischen Beziehungen dereguliert und die soziale
Ungleichheit verstärkt und dies alles noch als unvermeidliche Folge der
Marktwirtschaft dargestellt.
Die Unterstützung der Bewegung
Die Regierung hat die Bewegung der Arbeitslosen nicht ernst genommen,
sondern auf die Schwierigkeit der Organisierung von Arbeitslosen
spekuliert und darauf gesetzt, daß die Bewegung sich totläuft. Zudem hat
die Regierung auf die antisoziale Demagogie zurückgegriffen, die in der
"traditionellen" politischen Klasse heute so verbreitet ist und sie hat
nicht gezögert, die Bereitschaftspolizei CRS loszuschicken, um die
Arbeitslosen aus den besetzten Ämtern zu vertreiben. Diese Räumungen
wirkten wie ein Schock in der öffentlichen Meinung und haben zur
Verbreitung der Sympathie beigetragen. Heute unterstützen 70% der
Bevölkerung diesen Kampf. Die Arbeitslosen haben mit einer verstärkten
Wut reagiert, was die Mobilisierung erhöht hat. Hunderte, Tausende von
Menschen schließen sich den verschiedenen Arbeitslosenverbänden an. Bei
jeder Demonstration sind es mehr Menschen, die für die Sache der
Arbeitslosen auf die Straße gehen.
Die Unterstützung von Seiten der Studenten und der Arbeitenden ist zur
Zeit noch schwach. Deshalb werden wir Aktionen entwickeln, die auf die
Betriebe zielen, um zum einen dort die Arbeitsbedingungen, die
Verschlechterung des Arbeitsrechts und das Abschöpfen riesiger Profite
durch die Unternehmer anzuprangern. Zum anderen wollen wir die
Gewerkschaften zwingen, mit uns zusammenzuarbeiten und mit den
Arbeitenden über das Interesse an einem gemeinsamen Kampf zu
diskutieren. Zusammen mit den Gewerkschaften werden wir in der Lage
sein, in jedem Betrieb die Zahl der Arbeitsplätze zu beziffern, die es
zu schaffen gilt, um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu haben.
Die Entwicklung des Kampfes in den anderen Ländern Europas scheint uns
in dieser Periode des kapitalistischen Europas von vorrangigem
Interesse. Uns erscheint es als besonders dringlich, daß alle
Erwerbslosen, Mittellosen und Ausgegrenzten eine Möglichkeit bekommen,
den Kampf gegen die Ungleichheit aufzunehmen. Deshalb haben wir an den
europäischen Märschen gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung
und Ausgrenzung sowie an anderen Initiativen teilgenommen. Wir wollen
mit aller Kraft zur Entwicklung eines internationalistischen Kampfes
beitragen, der für uns die einzig mögliche Anwort auf den weltweiten
Kapitalismus darstellt.
Ambroise und Laurent (AC! Montreuil, Vorort von Paris)
"Avanti die internationale" ist die Zeitung des Revolutionaer
Sozialistischen Bundes / IV.Internationale (RSB)
mehr Avanti gibt es auf der Homepage des RSB:
http://www.geocities.com/CapitolHill/Lobby/1204/

 


Contact:
"Marches europeennes contre le chomage, la precarite et les exclusions"

104, rue des Couronnes
F-75020 Paris France
Tel : +33 1 44 62 63 44
Fax : +33 1 44 62 63 45
E-mail : marches97@ras.eu.org
URL: http://www.mygale.org/02/ras/marches/


Contact: "AC!", France, Voice/Fax: +33-1-43495037, e-mail: aguiton@sud.unions.eu.org.


Index of Euromarch Archives


ALSO-Homepage


Last Modified: April 15, 1998