
European Marches against Unemployment - News and Archives
Absender : SOZ@link-lev.dinoco.de (SoZ-Verlag) Betreff : Gegenaktionen in Cardiff Datum : Di 23.06.98, 14:34 (erhalten: 24.06.98) Groesse : 4907 Bytes ----------------------------------------------------------------------
Kontinuitaet ist auch was wert Gegenaktionen zum EU-Gipfel in Cardiff
Nicht einmal 2000 waren am 13.Juni zur Demonstration "Nein zum grossen Geschaeft Europa, ja zu Jobs, oeffentlichen Diensten und Demokratie" gekommen, aber etwa 10.000 marschierten einen Tag spaeter unter nationalistischen Losungen gegen die EU-Agrarpolitik. Waehrend in der City, nahe dem offiziellen Geschehen, ein internationales linksoekologisches Spektrum beim "Alternativgipfel" ueber globale Probleme und Strategien ihrer Minderung und Loesung diskutierte und ueber gemeinsame Aktionen beriet, tagten am Stadtrand, abgeschottet in einem gepflegten Hotel, fuehrende Genossen der Kommunistischen Partei mit ihren Gaesten. Hieran wird erneut die Tragik der britischen Linken deutlich.
Doch nun zum Vorwaertsweisenden. Dass der "Alternativgipfel" von Cardiff wesentlich bescheidener als der Amsterdamer Gipfel war, lag primaer an der Tagesordnung des EU-Gipfels. Gerade Linke muessen mit ihren Kraeften und Finanzen haushalten und die grosse Herausforderung Koeln, Juni 1999, ist allgemein anerkannt. Daher hiess es im Cardiff Counter Summit Special, dass es diesmal vor allem darum gehe, Ideen zu entwickeln.
An der Demonstration "Nein zum Geschaeft Europa" nahmen Gaeste aus Daenemark, Deutschland, Frankreich, Indien, Irland, Island, Italien, den Niederlanden, Oesterreich, Portugal und Spanien teil, das ermutigte die britischen OrganisatorInnen. Vor allem hatte die Euromarsch-Bewegung einen weiteren Hoehepunkt, den sie zu Arbeitsabsprachen nutzte. Christophe Aguiton konnte Cardiff in eine Ereigniskette einreihen: internationale Demonstration mit den Renault-ArbeiterInnen gegen die Vernichtung ihrer Arbeitsplaetze in Bruessel, Amsterdam, Luxemburg.
Von den Reden auf der Demonstration sollte die vom Europaabgeordneten Alan Simpson hervorgehoben werden: Der Labour-Abgeordnete entwickelte ausgehend von globalen Problemen und einem gesamteuropaeischen, nicht EU-bornierten Blickwinkel Positionen notwendiger Umverteilung von oben nach unten, von Norden nach Sueden, die Forderung nach einem oekologischen Umbau und Ausstieg aus der Atomenergie, und er thematisierte die Eigentumsverhaeltnisse: "Das 21.Jahrhundert braucht gesellschaftliches Eigentum."
In der abendlichen Beratung wurde auf eine Euromarsch-Mobilisierung zum EU- Gipfel nach Koeln orientiert. Ulrich Duchrow von KAIROS schlug vor, das Buendnis fuer die Demonstration am 20.6. "Aufstehen fuer eine andere Politik" dafuer zu gewinnen. Die Demonstration am 12.Dezember anlaesslich des EU-Gipfels in Wien, der sich mit der Osterweiterung und den nationalen Beschaeftigungsprogrammen beschaeftigten wird, soll als internationale Bruecke nach Koeln genutzt werden, sowohl was den Ausbau der Kooperation mit emanzipatorischen Initiativen in Ost- und Mitteleuropa als auch was die Vorbereitung der Euromarsch-Konferenz im Januar und die Mobilisierung im Juni nach Koeln betrifft.
Die Problematik WTO -- IWF -- Weltbank -- Maastricht -- Amsterdam -- NAFTA -- MAI sollte die Klammer "Liberalisierung/Globalisierung" zwischen dem EU- und dem G8-Gipfel in Koeln untersetzen. Schliesslich sind die Gewerkschaften zum Widerstand gegen das MAI genauso gefordert wie Umweltgruppen, antirassistische und Dritte-Welt-Gruppen. MAI und Gegenstrategien spielten in Cardiff eine grosse Rolle. Bemerkenswert an der MAI-Debatte war die Sachkenntnis, insbesondere der jungen Leute. So legte A SEED Materialien vor, die neben guten Recherchen ausnehmend ansprechend gestaltet sind. åberhaupt war der obligate Materialkramtisch gehaltvoll gedeckt. Bunt wie er waren auch die kleinen Aktionen am Montag und Dienstag, die zwar wenig MitmacherInnen, aber gutes Echo in der regionalen Presse hatten: Zum grossen Fototermin der Offiziellen erschienen 30 junge Leute und liebenswerte Hunde mit Forderungen wie: "Wir wollen die Privatisierung von allem", "Die Umwelt soll endlich voellig vernichtet werden", "Wir fordern die Abschaffung jeglicher sozialer Standards". Etwa 20 von ihnen protestierten in schwarzen und/oder originellen Kostuemen auf ihren Fahrraedern mit kleinen Strassensperren gegen die sozial- und umweltfeindliche Verkehrspolitik. Judith Dellheim
Dieser Artikel erscheint in SoZ Nr.13 vom 25.6.98. Die "SoZ -- Sozialistische Zeitung" erscheint 14-taegig und wird herausgegeben von de r Vereinigung fuer Sozialistische Politik (VSP). Kontakt: SoZ, Dasselstr.75--77, 50674 Koeln. Fon: (0221) 9231196; Fax: (0221) 9231197. E-Mail: soz@link-lev.dinoco.de . Ein Schnupperabo (5 Ausgaben) kostet 10 DM. Probeausgaben sind kostenlos.
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Last Modified: July 1998