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    European Marches against Unemployment - News and Archives


    Absender : INPREKORR@OLN.comlink.apc.org (Internat. Pressekorrespondenz)
    Org.-Empf. : EuroMarsch-L@mail.comlink.apc.org
    Weiterleiter owner-euromarsch-l@mail.comlink.apc.org
    Betreff : Europäischer Forderungskatalog gegen Erwerbslo =?ISO-8859-1?
    Datum : So 28.06.98, 21:48 (erhalten: 29.06.98)
    Groesse : 5828 Bytes
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    Europäischer Forderungskatalog gegen Erwerbslosigkeit,
    ungeschützte Beschäftigung und Ausgrenzung
    Derzeit werden soziale Sicherungssysteme und öffentliche 
    Dienstleistungen abgebaut, die Arbeitsmärkte dereguliert, die 
    tarifvertraglichen Schutzbestimmungen in den Arbeitsverträgen 
    ausgehöhlt, die Einkommen in Frage gestellt - dies alles durch eine 
    liberale Offensive, die sich in ganz Europa auf die Verträge von 
    Maastricht und Amsterdam stützt.
    
    In dieser Zeit nehmen die Kämpfe der Erwerbslosen zu; sie fordern mit 
    Nachdruck eine Umverteilung des Reichtums. Ihre Forderungen müssen 
    endlich auf allen Ebenen von den politischen und wirtschaftlichen 
    Entscheidungsträgern gehört werden, auch auf der Ebene der 
    Europäischen Gemeinschaft.
    
    Hier sind einige der dringendsten Sofortforderungen, die wir den 
    Erwerbslosen und den Menschen in ungeschützten 
    Beschäftigungsverhältnissen, den abhängig Beschäftigten, den in Europa 
    lebenden Menschen vorschlagen. Sie erfordern, um durchgesetzt zu 
    werden, den gemeinsamen Kampf von Beschäftigten und Erwerbslosen, 
    koordinierte, gemeinsame Aktionen, die über die Grenzen hinausreichen:
    
    * Für ein Einkommen, das allen Menschen ein Leben in Würde 
    ermöglicht, ohne Unterschied des Alters, Geschlechts, der Herkunft 
    oder anderer Art. Während der Reichtum unaufhörlich wächst, leben 
    Millionen Menschen in Europa unterhalb der Armutsgrenze. Wir 
    fordern, daß jede und jeder das Recht auf ein garantiertes 
    individuelles Einkommen hat, das dem Maß des von der Gesellschaft 
    hervorgebrachten Reichtums entspricht.
    
    * Für eine massive, sofortige und konzertierte Verkürzung der 
    Arbeitszeit auf 35 Stunden überall in Europa, als ersten Schritt 
    zur 32- oder 30-Stunden-Woche, mit Personalausgleich, ohne Verlust 
    von Lohn bzw. Kaufkraft, ohne Flexibilisierung, ohne einen 
    Jahresausgleich der Überstunden. Damit eine solche 
    Arbeitszeitverkürzung neue Arbeitsplätze schafft, muß sie in allen 
    Betrieben und allen Wirtschaftszweigen umgesetzt, durch Gesetze 
    gestützt und von Maßnahmen begleitet werden, die die bisherigen 
    Errungenschaften ausbauen.
    
    * Für die Schaffung einer Vielzahl von gesellschaftlich, kulturell 
    und ökologisch nützlichen Arbeitsplätzen, zu tariflichen 
    Bedingungen und Löhnen.
    
    * Gegen jede Art von Zwangsarbeit, auch unter dem Vorwand, Menschen 
    wieder "in Arbeit" zu bringen oder "beschäftigungsfähig" zu machen; 
    dadurch will man Erwerbslosen nur Arbeiten zu inakzeptablen 
    Bedingungen aufzwingen.
    
    * Gegen die Aushöhlung von Tarifverträgen und die Lohnkonkurrenz; 
    gegen erzwungene Teilzeitarbeit, gegen Entlassungen, gegen 
    Überstunden.
    
    * Gegen jede Form von Diskriminierung, die Frauen den gleichen Zugang 
    zu Arbeitsplätzen und Einkommen verbaut. Das verlangt u.a. auch die 
    Bereitstellung von öffentlichen Einrichtungen wie Horte, 
    Kindergärten u.a.
    
    * Für die europaweite Harmonisierung der Sozialsysteme und 
    diesbezüglicher Forderungen; Angleichung der Verhältnisse an das 
    jeweils höchste Niveau:
    - Recht auf Gesundheit
    - Recht auf Wohnen
    - Recht auf Bildung, Ausbildung und Kultur
    - Recht der Jugendlichen auf ein Einkommen, einen Arbeitsplatz und 
    auf Ausbildung
    - Recht auf Transport- und alle Kommunikationsmittel
    - Recht auf Energie, Strom, Gas, Wasser .
    - Recht auf Rente
    - Gleichheit von Männern und Frauen
    - freier Verkehr der Personen
    - gegen die Kinderarbeit und die Ausbeutung der Arbeitskraft von 
    ImmigrantInnen durch Schwarzarbeit
    - gegen ungeschützte Beschäftigungsverhältnisse ...
    
    * Für die Anerkennung der Verbände und Organisationen der 
    Erwerbslosen als Verhandlungspartner. Das Recht der Beschäftigten, 
    sich gewerkschaftlich zu organisieren und ihre Belange selbst in 
    die Hand zu nehmen und gemeinsam zu kämpfen, muß unantastbar sein.
    
    * Für ein demokratisches, offenes und solidarisches, für ein 
    ökologisches Europa, ohne Diskriminierung und Rassismus, ohne 
    Chauvinismus und mit offenen Grenzen, mit Bürgerrechten und 
    politischen Rechten, die für alle dort Lebenden gleich sind. 
    Papiere für alle!
    
    Die Kämpfe gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung und 
    Ausgrenzung tragen dazu bei, daß die ungeheuren Ungerechtigkeiten 
    einer kapitalistischen Gesellschaft ans Licht gezerrt werden, in der 
    das Profitstreben einer winzigen Minderheit alle Bereiche des Lebens 
    beherrscht.
    
    Man will uns unsere heutige Lage als unausweichlich einreden, man 
    ermahnt uns zu Geduld und Unterordnung. Wir hingegen wollen, durch 
    unsere Kämpfe und unsere Forderungen, TrägerInnen einer neuen Hoffnung 
    und einer neuen Perspektive sein: die Abschaffung der 
    Arbeitslosigkeit, eine freie und gerechte Gesellschaft in der Zukunft, 
    ein Europa und eine Welt, in der Wirtschaft und Politik den Menschen 
    dienen, nicht umgekehrt, und wo alle an den großen Entscheidungen des 
    öffentlichen Lebens beteiligt sind.
    
    Europäische Konferenz gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte 
    Beschäftigung und Ausgrenzung
    Brüssel, 19. April 1998
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    Vorabdruck aus: Inprekorr 321/322 (Internat. Pressekorrespondenz)
    Nachdruck gegen Quellenangabe und Belegexemplar erwünscht
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    Bestellungen: Verlag Neuer Kurs, Dasselstr. 75-77, D-50674 Köln
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    Jahresabo: 50 DM (Inland), 25 DM (ermäßigt), E-Abo 50%
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    Artikel im Internet: http://www.comlink.apc.org/inprekorr/ 
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    Contact:
    "Marches europeennes contre le chomage, la precarite et les exclusions"

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    Fax : +33 1 44 62 63 45
    E-mail : marches97@ras.eu.org
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    Last Modified: July 1998