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Frühlingserwachen
Bericht von der Brüsseler Vorbereitungskonferenz
Am 22. und 23. Februar hatten sich in Brüssel die UnterstützerInnen der europäischen Märsche gegen Erwerbslosigkeit, ungeschützte Beschäftigung und Ausgrenzung zum ausgiebigeren Austausch auf einer internationalen Konferenz getroffen. Nach dem Eintreffen aller Delegationen, konnte die Tagungsleitung vermelden, dass über sechshundert TeilnehmerInnen aus ganz Europa - darunter ein Beobachter aus Ägypten - im Auditorium der Freien Universität versammelt seien. Dabei war es nicht verwunderlich. dass aufgrund der politischen Gegebenheiten dort die französische Delegation annähernd die Hälfte ausmachte. Durch die hilfreiche Ausschilderung, die reibungslose Anmeldung und die Gewährleistung von Übersetzungstechnik - französisch, englisch, deutsch und spanisch simultan - harten die Gastgeber für eine angenehme Atmosphäre gesorgt. Die Verköstigung in der Mensa, die Unterbringung Im Jugendhotel und die Abwicklung der Arbeitsgruppen waren hervorragend organisiert. Die Konferenz war durch eine verhaltene Aufbruchstimmung gekennzeichnet, spürbar der Wille zur Zusammenarbeit Dazu trug sicherlich auch ein Vertreter der Liverpool- Dockers bei. der zur Begrüssung sehr eindringlich und ergreifend die Situation der Streikenden. aber auch der internationalen Solidarität darstellte.
Eine erste Staffel gleichzeitiger Arbeitsgruppen behandelte Fragen von Erwerbslosigkeit und sozialen Sicherungssystemen in den verschieden Ländern, der Zunahme ungeschützter Beschäftigung und die Rolle der Gewerkschaften. sozialer und kultureller Ausgrenzung, des Rechts auf Asyl und der Lage der Jugend. Für die Vorbereitung waren jeweils Vertreter eines Landes zuständig. Eine zweite Staffel von Arbeitsgruppen beschäftigte sich mit Organisation der - internationalen - Marschsäulen: Austausch von Kontakten, genaü Festlegung der Routen und des Zeitplans, die internationalen Marschierenden. Aktionstage, die Manifestation in Amsterdam. Der durch Spanien ziehende Marsch wird übrigens in Tanger (Nordafrika) starten, um ein deutliches antirassistisches Zeichen zu setzen. Darüber hinaus gibt es das Konzept eines sehr ambitionierten Videoprojekts. Aus den Videotagebüchern marschierender VideastInnen sollen rasch aktülle Magazine zusammengestellt und noch während der Märsche gezeigt werden. Der Verkauf einer abschliessenden grossen Dokumentation soll einerseits die Produktion refinanzieren. andererseits Element des -kollektiven Gedächtnisses" werden. Auf der Konferenz selbst wurden schon eifrig Interviews geführt.
Eine dritte Staffel von Arbeitsgruppen gab es zu Themen wie Politik der europäischen Institutionen. Kampf gegen die Erwerbslosigkeit, die Situation der Fraün. Auch hier harten wieder jeweils Vertreter eines Landes die Vorbereitung und Moderation übernommen. Mehr oder weniger parallel sollte die internationale Endredaktion an einem gemeinsamen Manifest erfolgen. Zweck dieses Manifests ist es, den Marschierenden bei der öffentlichen Vorstellung des Anliegens der Märsche eine Handreichung zu sein. Die Verabschiedung des Manifests musste jedoch vertagt werden.
Referate und Berichte aus verschiedenen Ländern machten deutlich, wie sehr die Entwicklung zur ungeschützten Beschäftigung als dem neün Normalarbeitsverhältnis forciert wird. Achtzehn Jahre britischer Wirtschaftsliberalismus zeitigt die Folgen: Arbeitshetze, Konkurrenzdruck und Entsolidarisierung. Entwürdigung und Verängstigung. Verarmung grosser Teile der Bevölkerung. Erwerbslose haben praktisch keine Chancen. jemals wieder in ein gesichertes Arbeitsverhältnis zu kommen. Die Bereitschaft, sich zu organisieren. geht dramatisch zurück. Unter dem Etikett, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, leisten die Regierungen nichts anders, als diese von der Wirtschaft gewünschte Flexibilisierung zu legalisieren. Die Standortlogik der grossen Gewerkschaften in Europa wirkt dabei verstärkend auf diesen Trend. Konseqünterweise wurde dringend angeraten, das Anliegen der Märsche den regulär Beschäftigten und Gewerkschaften nahezubringen. Eine Stimme aus Grossbritannien: -We desperately need the marches!"
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