
Arbeitslosenselbsthilfe O l d e n b u r g
Kaiserstr. 19
D-26122 Oldenburg (Oldenburg)
Absender : ehch@algonet.se (Elmar Herterich)
Betreff : Vollbeschäftigung
Datum : Mo 27.04.98, 09:35 (erhalten: 28.04.98)
Groesse : 3227 Bytes
## Nachricht am 28.04.98 archiviert
## Ursprung : /CL/ARBEIT/ERWERBSLOS
"Arbeit für alle" in Schweden?
Die schwedische Reichstags-Beauftragte Kerstin André, Telefax +46 8 21 65 58, weist den Weg zur Vollbeschäftigung. Der Reichstag hatte zuvor jede Gelegenheit, die schnellen Resultate des (deutschen) Reichsarbeitsdienstes zu studieren. Die Regierung Göran Persson hat ferner auch Auschwitz besucht und sich weitgehend selbst persönlich überzeugt, daß dort vor über fünfzig Jahren wirklich Juden gestorben sind. Er hat dies dann auch im staatlichen Fernsehen bestätigen können.
Kompetenzförderung
Die arbeitslosen Jugendlichen - im Regelfall unter 25 Jahren - bekommen jetzt in Schweden nur noch dann Sozialhilfe ("Fürsorge"), wenn sie auf Anweisung der Angestellten des Fürsorgeamtes arbeiten, was der jeweilige Angestellte als "kompetenzerhöhend" ansieht. Die Idee wurde - nach fünfundzsechzig Jahren - in Katrineholm wieder aufgegriffen. Wer nicht arbeitet, bekommt auch keine Fürsorge. Die Lokalzeitung berichtete: "Die Schlinge um die Jugendlichen wird zugezogen". Der Kritiker Olof Genbo schrieb deshalb einen Leserbrief: "Wahrscheinlich ist der Zwang ungesetzlich". Zwei Jugendlichen, Johan und Anna, wurde vorgeworfen, daß sie zuviel telefoniert und gefragt hätten und sich sogar an den Stastjuristen gewendet hätten.
Freilich bekamen die Jugendlichen ein Taschengeld von etwa 6 Mark am Tag, also doch über achtzig Pfennig die Stunde, wenn sie zum Beispiel Unkraut jäteten. Das reicht, nach der letzten Steuererhöhung, für gute zwei Zigaretten täglich. Aber wenn sie nicht arbeiten, bekommen sie weder Taschengeld, noch Fürsorge vom Wohlfahrtsamt. Also garnichts. Der neue Regierungschef hatte ohnehin die Arbeitslosen-Unterstützung für die Jugendlichen von 50:- Mark Montag bis Freitag auf gute zwanzig Mark (103:Kronen) gesenkt. Das sind etwa hundert Mark die Woche. Nun hat die Reichtags-Beauftragte Kerstin André beschlossen, daß dies rechtens sei und da Schweden in vielerlei Dingen als Weltgewissen angesehen wird, so kann dies Schule machen.
Inzwischen ist ein neues Gesetz in Kraft. Es umgeht die Europäische Menschenrechtskonvention durch haarfeine Semantik. Dort heißt es nämlich, niemand dürfe zu Zwangsarbeit gezwungen werden. Aber der Katrineholmer Göran Persson nennt das Unkrautjäten jetzt "kompetenzfördernd" und damit ist das ja eigentlich eine besondere Fürsorge des Goßen Bruders, nur zum Besten der Jugendlichen, die außerdem inzwischen schon über 2,50 DM die Stunde bekommen. In einem Leserbrief in "Expressen" berichtete neulich Kenneth Vasquez, daß in Karlshamn drei solche Jugendliche zwei Tage lang im Garten eines höheren, namentlich nicht benannten, Sozialamtsmannes Steinplatten zu legen hatten, für 2,50 die Stunde.
Ein junger Schwede mit tättowiertem Hakenkreuz auf dem Handrücken sagte mir, daß die deutschen Reichs-Arbeitsdienstler doch wenigstens Autobahnen gebaut hätten. In Schweden dagegen verfällt das Straßennetz. Wird Göran Persson eine Änderung der Konvention von Straßburg erreichen, wenn viele andere voller Neid auf seineArbeitsbeschaffung schauen?
Schreiben Sie Ihre Ansichten an den Präsidenten der Europaunion in Brüssel!
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Last Modified: July 1998