Zu Zehntausenden mitten in Soltau - Hilfe per Internet:

Schülerin entdeckt seltene europäische Springschwanz-Art !

Franziska Hach (13), Schülerin der Klasse 8f2 und Teilnehmerin an der Biologie-AG des Gymnasiums Soltau, entdeckte am 29. Juli 96 auf einem Grundstack in Soltau Zehntausende von Jungtieren der seItenen europaischen Urinsekten-Art Isotoma trispinata, was etwa soviel wie "Dreidorn-Gleichringler" bedeutet. Die nur O,9 mm großen, dunkelblauen Uberraschungsgäste traten nach einem Regenguß in mehreren, handtellergroßen Flächen auf, und zwar nicht in der Gartenerde, sondern vor allem auf der Pflasterung am Carport und am Mauerwerk einer Gerätehaustür. Zur genauen Artbestimmung mußten einige eingesammelte und in Alkohol konservierte Insekten an europäische Springschwanz-Spezialisten geschickt werden. Die erste Probe ging an Dr. Schulz ( Staatliches Museum für Naturkunde Görlitz), dieser schickte einige Tiere zur genaueren Artbestimmung an Dr. Fjellberg nach Norwegen. Die entdeckten Tiere gehören wegen ihrer sehr primitiven Morphologie zur Gruppe der Urinsekten, den sogenannten primär flügellosen Insekten (Apterygota), genauer zur Ordnung der Collembolen oder Springschwänze und dort zur Farnilie der Gleichringler (Isotomidae). Allgemein bekannt ist übrigens aus dieser Insekten-Familie der immerhin schon 2,5 mm große Gletscherfloh, lsotoma saltans .

Isotoina




Springschwänze haben ihren Namen von ihrem enormen Sprungvermögen, das ihnen eine Sprunggabel ermöglicht. Diese Gabel ist in Ruhestellung nach vorn unter den Leib geklappt. Durch Muskelanspannung klappt die Gabel nach hinten, wodurch das Tier von der Unterlage abgestoßen und in hohem Bogen vorwärtsgeschleudert wird. Mit einem Schwanz hat diese Gabel, die zu dem irreführenden Namen Springschwänze geführt hat, nichts zu tun
Springschwänze sind Kosmopoliten, kommen also weltweit vor. Sie bevorzugen hohe Luftfeuchtigkeit, daher leben die meisten Arten im Boden. Sie spielen bei der Humusbildung eine große Rolle.
Viele Fragen bleiben noch offen: Ist das nächste Vorkommen der gefundenen Art tatsächlich im Berliner Grunewald, kam diese Art erst vor kurzem nach Soltau oder wurde sie hier nur noch nie erkannt und beschrieben? Zur Klärung sagte Dr. Schmitt, Entomologe (Insektenkundler) und Kustos am renommierten Bonner ''Museum Alexander König" seine Hilfe zu. Über eine spezielle talk-line im Internet sollen weitere Insekten-Spezialisten Europas mit dem Soltauer Fund konfrontiert und befragt werden.

Klaus Ewald

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